{"id":1673,"date":"2025-10-23T09:47:36","date_gmt":"2025-10-23T07:47:36","guid":{"rendered":"https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/?page_id=1673"},"modified":"2025-10-30T10:25:56","modified_gmt":"2025-10-30T09:25:56","slug":"1673-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/?page_id=1673","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-cover alignfull is-light\" style=\"border-style:none;border-width:0px;margin-top:0;padding-top:2vw;padding-right:10vw;padding-bottom:2vw;padding-left:10vw;aspect-ratio:auto;\"><span aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-cover__background has-background-dim-100 has-background-dim\" style=\"background-color:#f3fffd\"><\/span><div class=\"wp-block-cover__inner-container is-layout-flow wp-block-cover-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading alignwide has-base-color has-text-color has-link-color wp-elements-1\" id=\"we-re-a-studio-in-berlin-with-an-international-practice-in-architecture-urban-planning-and-interior-design-we-believe-in-sharing-knowledge-and-promoting-dialogue-to-increase-the-creative-potential-of-collaboration\" style=\"font-size:clamp(27.894px, 1.743rem + ((1vw - 3.2px) * 1.571), 48px);line-height:1.1\">30. OKTOBER 2025<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#1b1b1b;font-size:6vw;font-style:normal;font-weight:200;line-height:0.9;text-decoration:none;text-transform:none\"><strong><strong>Kiddusch und K\u00e4sekuchen <\/strong>Ein Schawuot-Gottesdienst in der Synagoge\u00a0<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-2 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\"><em><em>\u00abChag Sameach!\u00bb Mit diesem hebr\u00e4ischen Festgruss, was fr\u00f6hliches Fest bedeutet, wurde ich herzlich in der Synagoge begr\u00fcsst. Am Abend des 1. Juni 2025 begann das j\u00e4hrliche Schawuot-Fest im Judentum. Es geh\u00f6rt zu den drei grossen Wallfahrtsfesten im Judentum und weist somit eine wichtige Bedeutung auf. Mit Neugier, Vorfreude und Unwissen besuchte ich diesen Start des Schawuot-Festes in der Synagoge. Mein Ziel war es auf folgende Frage eine Antwort zu bekommen: Welche Rituale und Programmpunkte machen einen Schawuot-Abend in Bern aus?<\/em><\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-custom-farbe-1-color has-alpha-channel-opacity has-custom-farbe-1-background-color has-background is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-base-color has-text-color has-link-color has-small-font-size wp-elements-3 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:600\">No\u00e0 Furrer<br>Bachelor Interreligi\u00f6se Studien, Bern<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-4\" style=\"margin-right:0;margin-left:0\"><strong><br><br><strong><strong>Die J\u00fcdische Gemeinde in Bern<\/strong><\/strong><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-5 wp-block-paragraph\" style=\"margin-right:0;margin-left:0;font-style:normal;font-weight:300\">Schon beim Eintreten merkte ich: Die Synagoge wird bewacht, denn aufgrund des Krieges zwischen Israel und der Hamas hat die Zahl antisemitischer Vorf\u00e4lle in Europa deutlich zugenommen \u2013 auch in der Schweiz. Im Inneren der J\u00fcdischen Gemeinde war die Stimmung ausgelassen, festlich und fr\u00f6hlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-6 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">Die <em>J\u00fcdische Gemeinde Bern<\/em> ist an der Kapellenstrasse 2 in Bern zuhause. Die im sogenannten maurischen Stil erbaute Synagoge wurde 1906 eingeweiht. 1971 wurde der Bau durch ein Gemeindehaus erweitert. Es ist eine Einheitsgemeinde, was bedeutet, dass j\u00fcdische Gl\u00e4ubige aus verschiedenen Str\u00f6mungen zusammenkommen, gef\u00fchrt wird die Gemeinde aber orthodox. Heute hat die Gemeinde um die 300 Mitglieder und bietet nebst den Gottesdiensten mehrere Angebote an, wie Religionsunterricht oder soziale Dienste.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1920\" height=\"2560\" src=\"https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/dBild-1-1-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1676\" style=\"width:782px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/dBild-1-1-scaled.jpg 1920w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/dBild-1-1-225x300.jpg 225w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/dBild-1-1-768x1024.jpg 768w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/dBild-1-1-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/dBild-1-1-1536x2048.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-base-color has-text-color has-link-color wp-elements-7 wp-block-paragraph\" style=\"margin-top:0;margin-bottom:0;font-style:normal;font-weight:300\"><em><em>Abbildung 1: Die J\u00fcdische Gemeinde Bern in maurischem Stil.<\/em><\/em> <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-8\"><strong><strong><strong>Gottesdienst<\/strong><\/strong><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-9 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">Da nur um die 40 Personen anwesend waren, durften die Frauen ausnahmsweise unten im Raum links neben den M\u00e4nnern sitzen. Normalerweise nehmen sie auf der Empore Platz, denn in orthodoxen Synagogen ist die Geschlechtertrennung klar geregelt. Diese Praxis wird, besonders in heutiger Zeit, zunehmend hinterfragt. Ich setzte mich neben eine \u00e4ltere Frau auf eine der knarrenden Holzb\u00e4nke. P\u00fcnktlich um 18.45 Uhr begann der Vorbeter, mit dem Gebet und er\u00f6ffnete so das Schawuot-Fest. Ich liess meinen Blick schweifen und lauschte: Kinder dr\u00fcckten sich eng an ihre M\u00fctter, bei jeder Bewegung knarrten die B\u00e4nke, ein leises Murmeln war aus allen Ecken zu h\u00f6ren. Die Kleidung war bunt gemischt \u2013 einige Frauen trugen farbige R\u00f6cke, andere Hosen, und auch die <em>Kippot,<\/em> die Kopfbedeckung der M\u00e4nner, war in allen Formen und Farben ersichtlich. Trotz dieser so festlichen und ruhigen Stimmung \u00fcberraschte mich das Tempo des Gebetes. Die Gl\u00e4ubigen standen hinter den B\u00e4nken und bl\u00e4tterten energisch in ihren Gebetsb\u00fcchern, denn der Vorbeter eilte in schnellem Tempo voran. Das Gebet wurde auf Hebr\u00e4isch gesungen, im Gebetsbuch gab es noch eine Spalte mit der deutschen \u00dcbersetzung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-10\"><strong><strong><strong><strong>Die Gebetspraxis im Judentum<\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-11 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">Im t\u00e4glichen religi\u00f6sen Leben spielt das Gebet eine zentrale Rolle. J\u00fcdische M\u00e4nner sind verpflichtet, dreimal t\u00e4glich zu beten, Frauen d\u00fcrfen freiwillig daran teilnehmen. Es gibt eine einheitliche Grundstruktur f\u00fcr das Gebetsleben. Der Kern dieser Struktur bilden die Gebete<em> Amidah<\/em> <em>und Schma Jisrael<\/em>. In der <em>Amidah<\/em>, auch Achtzehnbittengebet genannt, werden Bitten an Gott formuliert: Die Bitte, dass der j\u00fcdische Tempel in Jerusalem wieder aufgebaut wird, die Bitte um Weisheit, um Krankenheilung, um S\u00fcndenvergebung und um viele weitere Dinge. Alle Gebete sind in Gebetsb\u00fcchern niedergeschrieben. Das Morgengebet im Judentum wird <em>Schacharit, das <\/em>Nachmittagsgebet <em>Mincha <\/em>und das Abendgebet <em>Maariv <\/em>genannt. An Feiertagen, wie auch am w\u00f6chentlichen Ruhetag, dem Schabbat, unterscheidet sich das Gebet in seiner Form von dem an Werktagen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-12 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">Meine liebe Sitznachbarin erkl\u00e4rte mir fl\u00fcsternd, was gebetet wurde und wo wir uns im Gebetsbuch befanden. Wie beim Abendgebet \u00fcblich, wurden Teile der <em>Amidah <\/em>gesprochen. Auch das <em>Schma Jisrael<\/em> und das <em>Kaddisch<\/em>-Gebet waren Teil des Gottesdienstes. Faszinierend fand ich, dass viele die Gebete auswendig kannten. Dies zeigte mir, dass das j\u00fcdische religi\u00f6se Leben einen klaren Rahmen hat und dieses Wiederholen solcher Gebete begleitet die Gl\u00e4ubigen ihr Leben lang.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2394\" height=\"2560\" src=\"https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/dBild-2-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1677\" style=\"width:1066px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/dBild-2-scaled.jpg 2394w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/dBild-2-281x300.jpg 281w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/dBild-2-957x1024.jpg 957w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/dBild-2-768x821.jpg 768w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/dBild-2-1436x1536.jpg 1436w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/dBild-2-1915x2048.jpg 1915w\" sizes=\"auto, (max-width: 2394px) 100vw, 2394px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-base-color has-text-color has-link-color wp-elements-13 wp-block-paragraph\" style=\"margin-top:0;margin-bottom:0;font-style:normal;font-weight:300\"><em><em>Abbildung 2: So sieht ein Gebetsbuch aus. Ersichtlich sind die hebr\u00e4ischen Gebete, daneben die deutsche \u00dcbersetzung.\u00a0<\/em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-14 wp-block-paragraph\"><strong><strong><strong>Wurzeln in der Tora<\/strong><\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-15 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">Diese religi\u00f6se Struktur zeigt sich durch das Jahr hindurch, denn das j\u00fcdische Jahr wird durch zahlreiche Feste strukturiert. Wichtig ist, dass jeder Festtag bereits am Vorabend beginnt. Dies leitet sich aus der Tora ab, genauer aus dem Buch Genesis: \u00abUnd es wurde Abend, und es wurde Morgen: der erste Tag.\u201c (Gen 1.5, Schlachter 2000). Auch das <em>Schawuot<\/em>-Fest beginnt am Vorabend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-16 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">Der j\u00fcdische Kalender ist ein Lunisolarkalender, er kombiniert also das Prinzip eines Mond- und eines Sonnenkalenders und unterscheidet sich somit vom gregorianischen Kalender. Das j\u00fcdische Jahr beginnt im Monat <em>Tischri<\/em>. Das <em>Schawuot<\/em>-Fest, das auch schon in der Tora vorkommt, wird im 9. Monat<em> Siwan<\/em> begangen, was dem Zeitraum Mai-Juni entspricht. Die Feste sind eng mit den Jahreszeiten verbunden, denn auch an <em>Schawuot<\/em> feiert man die Ernte, weil zu dieser Zeit in Israel der erste Weizen geerntet wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-17 wp-block-paragraph\"><strong><strong><strong>Bedeutung des Festes<\/strong><\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-18 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\"><em>Schawuot<\/em> dauert in der Diaspora vom 6.\u20137. <em>Siwan<\/em>. Es wird 50 Tage nach dem 2. <em>Pessach<\/em>-Tag gefeiert. Das Wort bedeutet auf Hebr\u00e4isch <em>Wochen <\/em>und bezieht sich auf sieben Wochen, die zwischen dem <em>Pessachfest <\/em>und <em>Schawuot <\/em>gez\u00e4hlt werden. Daher wird <em>Schawuot <\/em>auch Wochenfest genannt. In der Tora hat das Fest mehrere Namen wie <em>Fest der Erstlingsfr\u00fcchte<\/em> oder <em>Fest der Ernte<\/em>. Es z\u00e4hlt mit <em>Sukkot <\/em>und <em>Pessach <\/em>zu den drei grossen Wallfahrtsfesten, in denen das j\u00fcdische Volk traditionell zum Tempel in Jerusalem pilgerte, um zu opfern. Aufgrund der Zerst\u00f6rung des Tempels im Jahr 70 n.Chr. ist dies heute nicht mehr m\u00f6glich. Neben dem landwirtschaftlichen Aspekt wird an <em>Schawuot <\/em>auch die Gabe der Tora am Berg Sinai gefeiert. Laut j\u00fcdischer \u00dcberlieferung erhielt das j\u00fcdische Volk die Tora und somit die Gebote durch Moses am Sinai, als sie aus \u00c4gypten auszogen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"590\" src=\"https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/dBild-3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1678\" srcset=\"https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/dBild-3.jpg 500w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/dBild-3-254x300.jpg 254w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-base-color has-text-color has-link-color has-small-font-size wp-elements-19 wp-block-paragraph\" style=\"margin-top:0px;margin-bottom:0px;font-style:normal;font-weight:300\"><em>Abbildung 3: Das Schawuot-Fest dargestellt von Moritz Daniel Oppenheim, 1880.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-20 wp-block-paragraph\"><strong><strong><strong><strong>N\u00e4chtliches Lernen<\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-21 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">Nach nicht einmal 45 Minuten war der Gottesdienst mit seinen Gebeten vorbei und die Gebetsb\u00fccher wanderten zur\u00fcck in ihre Regale. Ich dachte das Fest sei vor\u00fcber, aber ein zentraler Programmpunkt an <em>Schawuot <\/em>stand mir noch bevor. Ich folgte den Besucher*Innen die Treppe hinauf. Wir versammelten uns in einem Raum, der mit drei langen Tischreihen ausgestattet war. Bereits aufgestellt auf einem Tisch waren viele Weinflaschen, kleine Becher und Teller mit K\u00e4se und K\u00e4sekuchen. Doch bevor ich mir \u00fcber das Buffet Gedanken machen konnte, begann Rabbiner Jehoschua Ahrens mit einem Vortrag. Er behandelte die Frage, ob Frauen in der Synagoge die Tora lesen d\u00fcrfen. Es wurde ein Handout ausgeteilt, welches verschiedene rabbinische Quellen auff\u00fchrte. Die Leute beteiligten sich an der Diskussion, stellten Fragen und lasen aufmerksam das Handout. Das Fazit des Vortrages war, dass die Rolle der Frau im Judentum durchaus sehr wichtig ist und dass jede Gemeinde dies selbst entscheiden m\u00fcsse, ob die Frau aus der Tora vorlesen d\u00fcrfe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-22 wp-block-paragraph\"><strong><strong><strong><strong>Milchige Speisen<\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-23 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">Anschliessend wurde das <em>Kiddusch-Gebet<\/em> auf Hebr\u00e4isch gesprochen, bei dem die Anwesenden alle mit einem <em>Amen<\/em> antworten. Das <em>Kiddusch <\/em>ist ein Segensspruch \u00fcber einen Becher Wein, mit dem der w\u00f6chentliche Ruhetag und die j\u00fcdischen Feiertage eingeleitet und so geheiligt werden. Es wird unmittelbar vor einer Mahlzeit gesprochen, \u00fcblicherweise von einem Mann. Der Wein schmeckte s\u00fcsslich in diesem kleinen Glas, welches mir \u00fcberreicht wurde. Nach dem Wein st\u00fcrzten sich einige direkt auf das K\u00e4sebuffet. Doch wieso wurden nur K\u00e4se und K\u00e4sekuchen serviert? Ich erfuhr, dass die Tora, die ja an diesem Tag gegeben wurde, mit Milch verglichen wird, die das Volk Israel gierig trank. Vor allem in rabbinischen Texten ist dieser Vergleich oft angef\u00fchrt. Da die Tora mit Milch verglichen wird, die das Volk Israel trank, werden an <em>Schawuot <\/em>milchige Speisen gegessen. Dies beantwortet auch die Frage, wieso man bis sp\u00e4t in die Nacht Vortr\u00e4ge h\u00f6rt und gemeinsam lernt: Man gedenkt der Tora an diesem Tag, indem man sich mit dem Lehren besch\u00e4ftigt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/dBild-4-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1679\" srcset=\"https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/dBild-4-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/dBild-4-300x200.jpg 300w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/dBild-4-768x512.jpg 768w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/dBild-4-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/dBild-4-2048x1366.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-base-color has-text-color has-link-color has-small-font-size wp-elements-24 wp-block-paragraph\" style=\"margin-top:0px;margin-bottom:0px;font-style:normal;font-weight:300\"><em>Abbildung 4:\u00a0 An Schawuot werden milchige Speisen gegessen, um der Tora zu gedenken.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-25 wp-block-paragraph\"><strong><strong><strong><strong>Die Besonderheit des Schawuot<\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-26 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">Mit einem St\u00fcck K\u00e4sekuchen und einem Glas Wasser setzte ich mich wieder an meinen Platz. Die kleinen Kinder hatten langsam m\u00fcde Augen, w\u00e4hrenddessen die Erwachsenen in angeregten Gespr\u00e4chen vertieft waren. Nun ging es weiter mit einem Vortrag von Prof. Dr. Ren\u00e9 Bloch, der an der Universit\u00e4t Bern das Institut f\u00fcr Judaistik leitet. Die Quellen, die Ren\u00e9 Bloch in seinem Vortrag erw\u00e4hnte, wurden erneut auf einem Handout dargestellt. Er behandelte das Thema Antisemitismus. Spannend fand ich die Erkenntnis, dass fast alle j\u00fcdischen Feste mit Antisemitismus in Verbindung stehen. Man erinnert sich an Festen wie <em>Purim<\/em>, <em>Pessach <\/em>oder <em>Chanukka <\/em>an die Unterdr\u00fcckung des j\u00fcdischen Volkes durch verschiedene Akteure. Ren\u00e9 Bloch betonte, dass das Judentum auch zu einem gewissen Teil durch den Antisemitismus erhalten bleibt. In Bezug auf dieses Thema ist <em>Schawuot <\/em>eine Ausnahme, denn hier gedenkt man an die Ernte und an die Toragebung, was nichts mit der Unterdr\u00fcckung des j\u00fcdischen Volkes zu tun hat. Hierin liegt die Besonderheit des <em>Schawuot<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-27 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">Nach einer kurzen K\u00e4sekuchen-Pause ging es in die letzte Runde des Lernens. Allm\u00e4hlich merkte man den Anwesenden die M\u00fcdigkeit an. Beim letzten Vortrag wurde \u00fcber Zahlen im Judentum und ihre Bedeutung gesprochen. Die Zahl vier als Beispiel bedeutet Vollst\u00e4ndigkeit und g\u00f6ttliche Offenbarung, die Zahl vierzig steht f\u00fcr eine bestimmte Zeitspanne. Um ungef\u00e4hr 22.00 Uhr, als einigen schon fast die Augen zufielen, war dieser <em>Erew<\/em>&#8211;<em>Schawuot <\/em>zu einem Ende gekommen und ich wusste nun, wie <em>Schawuot <\/em>hier in Bern gefeiert wird. Doch f\u00fcr die Gl\u00e4ubigen war das Fest nicht vorbei: Schon am n\u00e4chsten Morgen wird Schawuot mit weiteren Feierlichkeiten in der J\u00fcdischen Gemeinde fortgesetzt.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-28 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\"><em><strong>Quellen und Literatur zur Vertiefung\u00a0<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color has-link-color has-small-font-size wp-elements-29 wp-block-paragraph\" style=\"margin-top:0;margin-bottom:0;font-style:normal;font-weight:300;text-decoration:underline\"><a href=\"https:\/\/www.jgb.ch\/\">https:\/\/www.jgb.ch\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color has-link-color has-small-font-size wp-elements-30 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300;text-decoration:underline\"><a href=\"https:\/\/www.juedische-allgemeine.de\/religion\/schawuot-fest-der-tora\/?q=Schawuot\">https:\/\/www.juedische-allgemeine.de\/religion\/schawuot-fest-der-tora\/?q=Schawuot <\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-31 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\"><em>Maier, J. (2013)\u00a0<em>Judentum:<\/em> Studium Religionen. 2. Auflage. G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-32 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\"><em><strong>Bildquellen<\/strong><br>Abb. 1: Eigene Aufnahme.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-33 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\"><em>Abb. 2: Eigene Aufnahme.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-34 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\"><em>Abb. 3: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schawuot\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schawuot<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-35 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\"><em>Abb. 4: <a href=\"https:\/\/www.cheeseprofessor.com\/blog\/shavuot-dairy-blintzes\">https:\/\/www.cheeseprofessor.com\/blog\/shavuot-dairy-blintzes<\/a>.<\/em><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1673","page","type-page","status-publish","hentry"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.3 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>- interrel|blog<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/?page_id=1673\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" 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