{"id":1640,"date":"2025-10-13T17:03:33","date_gmt":"2025-10-13T15:03:33","guid":{"rendered":"https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/?page_id=1640"},"modified":"2025-10-24T08:04:19","modified_gmt":"2025-10-24T06:04:19","slug":"1640-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/?page_id=1640","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-cover alignfull is-light\" style=\"border-style:none;border-width:0px;margin-top:0;padding-top:2vw;padding-right:10vw;padding-bottom:2vw;padding-left:10vw;aspect-ratio:auto;\"><span aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-cover__background has-background-dim-100 has-background-dim\" style=\"background-color:#f3fffd\"><\/span><div class=\"wp-block-cover__inner-container is-layout-flow wp-block-cover-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading alignwide has-base-color has-text-color has-link-color wp-elements-1\" id=\"we-re-a-studio-in-berlin-with-an-international-practice-in-architecture-urban-planning-and-interior-design-we-believe-in-sharing-knowledge-and-promoting-dialogue-to-increase-the-creative-potential-of-collaboration\" style=\"font-size:clamp(27.894px, 1.743rem + ((1vw - 3.2px) * 1.571), 48px);line-height:1.1\">23. OKTOBER 2025<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#1b1b1b;font-size:6vw;font-style:normal;font-weight:200;line-height:0.9;text-decoration:none;text-transform:none\"><strong><strong>Zwischen Anpfiff und Amen: Fussball als modernes Ritual<\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#1b1b1b;font-size:6vw;font-style:normal;font-weight:200;line-height:0.9;text-decoration:none;text-transform:none\">Fussball in Bern als pers\u00f6nliche Ann\u00e4herung<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-2 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\"><em>Ich lebe seit ein paar Jahren in Bern und schaue leidenschaftlich gerne Fussball. Zwar bin ich kein eingefleischter YB-Fan, aber durch das Leben in der Stadt und den Austausch mit meinen Mitstudierenden, viele davon begeisterte YB-Anh\u00e4ngerinnen und Anh\u00e4nger, komme ich immer mehr mit dem Verein in Kontakt. Sie sind auch der Grund, weshalb ich inzwischen das eine oder andere Spiel im Wankdorf-Stadion erlebt habe. Dort sp\u00fcrt man sofort: Hier geht es um mehr als nur Sport. Fussball wird f\u00fcr viele zu einem Erlebnis, das stark an religi\u00f6se Rituale erinnert mit Gemeinschaft, Emotion und Symbolik. In diesem Beitrag frage ich mich, ob Fussball in Bern in einer zunehmend s\u00e4kularen Gesellschaft Funktionen \u00fcbernimmt, die fr\u00fcher der Religion vorbehalten waren. Und was das \u00fcber unser heutiges Bed\u00fcrfnis nach Verbindung und Ritual erz\u00e4hlt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-custom-farbe-1-color has-alpha-channel-opacity has-custom-farbe-1-background-color has-background is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-base-color has-text-color has-link-color has-small-font-size wp-elements-3 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:600\">Matthias Scotton<br>Master Sekundarstufe 1, PH Bern<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-4\" style=\"margin-right:0;margin-left:0\"><strong><br><br><strong><strong><strong>Rituale vor dem Spiel als Ausdruck von Gemeinschaft<\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-center has-base-color has-text-color has-link-color wp-elements-5 wp-block-paragraph\"><em>\u00abEin Ritual ist eine wiederkehrende Handlung, die oft einen symbolischen Charakter hat und nach bestimmten Regeln oder Abl\u00e4ufen ausgef\u00fchrt wird\u00bb <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-base-color has-text-color has-link-color wp-elements-6 wp-block-paragraph\"><em>(Wikipedia, 2025, Abschnitt \u201eDefinition\u201c)<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-7 wp-block-paragraph\" style=\"margin-right:0;margin-left:0;font-style:normal;font-weight:300\">Wenn ich mit Kolleginnen und Kollegen ins Wankdorf gehe, beginnt das Erlebnis meist schon weit vor dem Anpfiff. Bereits auf dem Weg zum Stadion sehe ich viele Menschen in gelb schwarzen Trikots oder mit Schals \u00fcber den Schultern. Die Farben zeigen ganz klar, zu wem oder welchem Team man geh\u00f6rt. Vor dem Stadion sammeln sich die Menschen in kleinen Gruppen, philosophieren miteinander \u00fcber Fussball, halten ein k\u00fchles Bier in der Hand und beissen in ihre Stadionwurst, w\u00e4hrend sich eine gespannte Erwartung in der Luft ausbreitet. F\u00fcr mich hat dies fast etwas Feierliches, wie ein ungezwungenes Zusammensein vor einem Gottesdienst. Man w\u00e4rmt sich nicht k\u00f6rperlich, sondern gemeinsam ein, sozial, emotional und voller Vorfreude auf das Spiel.<br>In gewisser Weise gleicht der Weg ins Stadion einer Pilgerreise. Wie gl\u00e4ubige Menschen, die sich zu heiligen St\u00e4tten begeben, bewegt sich auch die Fangemeinde in Richtung eines f\u00fcr sie bedeutungsvollen Ortes. Dabei geht es nicht um religi\u00f6se Pflicht, sondern um das gemeinsame Ziel, das Erleben eines besonderen Moments. Die Pilgerreise zur \u00abKathedrale des Fussballs\u00bb beginnt nicht mit einem Gebet, sondern mit dem ersten Schritt aus dem Haus und endet l\u00e4ngst nicht mit dem Abpfiff, sondern vielleicht erst mit dem letzten Bier nach dem Spiel.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/bBild-1-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1652\" srcset=\"https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/bBild-1-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/bBild-1-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/bBild-1-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/bBild-1-1-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/bBild-1-1.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-base-color has-text-color has-link-color wp-elements-8 wp-block-paragraph\" style=\"margin-top:0;margin-bottom:0;font-style:normal;font-weight:300\"><em><em>Abbildung 1: Choreo Champions League Bild: F.Imfeld &nbsp;<\/em><\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-9\"><strong><strong><strong><strong>Das Stadion als ritueller Raum<\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-10 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">Mit dem ersten Schritt ins Stadion ver\u00e4ndert sich die Stimmung sp\u00fcrbar. Es ist, als w\u00fcrde man einen Raum mit besonderer Atmosph\u00e4re betreten, fast wie beim Eintritt in eine Kirche. Der Religionssoziologe \u00c9mile Durkheim beschrieb Rituale als kollektive Handlungen, die ein heiliges Gemeinschaftsgef\u00fchl erzeugen, unabh\u00e4ngig vom religi\u00f6sen Inhalt. In seinen Ausf\u00fchrungen vergleicht er die Wirkung gemeinschaftlicher Rituale mit einer Art Elektrizit\u00e4t, die die Beteiligten in einen Zustand der Erregung versetzt und das kollektive Gef\u00fchl des Heiligen hervorruft (Durkheim, 2001 [1912], S.\u202f162\u2013163). In diesem Sinne l\u00e4sst sich das Stadion als s\u00e4kularer Ritualraum deuten. Besonders eindr\u00fccklich ist der Moment, wenn die Mannschaft einl\u00e4uft und die YB Hymne &#171;Hie&#187; von Wurzel 5 gespielt wird. Wenn tausende Fans Zeilen wie &#171;Hie gh\u00f6ri h\u00e4r\u00e4, hie isch mis deheim\u00e4&#187; singen, entsteht ein Gef\u00fchl von Zusammengeh\u00f6rigkeit. Es wirkt wie ein gemeinsames Bekenntnis, das Spiel beginnt und alle sind bereit. Dazu kommt die grosse Choreo in der Kurve. Farbige Transparente werden hochgehalten, Fahnen geschwenkt, riesige Banner mit Symbolen, Botschaften oder historischen Momenten entfaltet. Es ist vergleichbar mit den Bildern oder Verzierungen in einer Kirche, die auf etwas Gr\u00f6sseres verweisen und eine visuelle Verbindung zwischen den Menschen schaffen. Auch Gedenkchoreografien an verstorbene Vereinsmitglieder geh\u00f6ren dazu und zeigen, dass ihnen auch im Stadion die letzte Ehre erwiesen wird. Die Fans gestalten aktiv mit, denn Rituale leben vom gemeinsamen Mitmachen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-11\"><strong><strong><strong><strong><strong>Emotionen und Symbolik im Spielverlauf<\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-12 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">Auch im Spiel folgen viele Abl\u00e4ufe festen Mustern. Die Kurve singt je nach Spielstand andere Lieder, das ganze Stadion klatscht gemeinsam, bei einem Angriff stehen alle auf. Es ist beeindruckend, wie automatisiert dieses Verhalten abl\u00e4uft. Die Zuschauerinnen und Zuschauer fiebern mit, reagieren kollektiv, als g\u00e4be es ein unsichtbares Drehbuch. Am eindr\u00fccklichsten finde ich das gemeinsame Singen. Fanges\u00e4nge sind im Stadion das, was in der Kirche der Gesang der Gemeinde ist. Sie verbinden, strukturieren den Ablauf und tragen die Stimmung. Manche Lieder sind laut und kraftvoll, andere fast feierlich. Kaum erklingen die ersten T\u00f6ne, wissen alle, was gesungen wird und alle machen mit. Wenn so viele Menschen dasselbe Lied singen, entsteht ein intensives Gemeinschaftsgef\u00fchl. Wie Psalmen, die \u00fcber Generationen hinweg \u00fcberliefert wurden, werden auch Fanges\u00e4nge weitergegeben und im Stadion zelebriert. Besonders eindrucksvoll wird dieses Gef\u00fchl ab der 76. Minute. Dann beginnt die ber\u00fchmte YB Viertelstunde. Die Fans stehen auf, klatschen im Rhythmus, feuern ihre Mannschaft mit voller Kraft an. Diese Tradition geht zur\u00fcck auf ein Spiel im Jahr 1910, als YB gegen Luzern eine Viertelstunde vor Schluss noch zur\u00fccklag und das Spiel mit drei sp\u00e4ten Toren drehen konnte. Seither steht diese letzte Phase f\u00fcr Hoffnung, Kampf und Aufb\u00e4umen bis zum Schluss. F\u00fcr mich ist das wie der feierliche Schlussteil eines Gottesdienstes, bei dem sich die Gemeinde nochmals sammelt, singt und gemeinsam abschliesst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-13 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">Wenn dann ein Tor f\u00e4llt, brechen alle D\u00e4mme. Pl\u00f6tzlich springen alle auf, jubeln, lachen, umarmen sich \u2013 auch solche, die sich gar nicht kennen. Dann setzt die Torhymne ein: &#171;YB, YB, so t\u00f6nts im ganze Stadion. YB, YB, du bisch die gr\u00f6ssti Sensation.&#187; Alle stimmen ein. Der Moment ist kurz, aber intensiv und er geh\u00f6rt allen. Auch bei einem Gegentor ist die Reaktion kollektiv, das Leiden wird ebenso geteilt wie die Freude.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-14 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">Nach dem Abpfiff geht die Mannschaft zur Kurve, bedankt sich f\u00fcr die Unterst\u00fctzung, egal wie das Spiel ausgegangen ist. Wenn es nicht gut lief, kann es vorkommen, dass die Fans das Gespr\u00e4ch suchen oder ihre Meinung deutlich machen. In den meisten F\u00e4llen endet das Spiel jedoch mit einer gemeinsamen Verabschiedung. F\u00fcr mich wirkt das wie der Abschluss eines Gottesdienstes, bei dem nach dem Segen langsam Ruhe einkehrt. Nach dem Spiel lassen wir den Abend oft gemeinsam ausklingen, ziehen noch in eine Bar oder setzen uns draussen an einen Tisch, stossen an, reden \u00fcber das Spiel oder das Leben. Diese Momente gleichen dem vertrauten Beisammensein nach einem Gottesdienst, wenn man sich beim Ap\u00e9ro begegnet, Gedanken teilt und das Erlebte nachklingt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-15 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">Was mich beeindruckt: Diese Rituale sind nicht religi\u00f6s im engeren Sinne, aber sie geben Struktur, stiften Gemeinschaft und verleihen dem Moment eine tiefere Bedeutung. Ich bin kein wirklicher YB-Fan, aber ein leidenschaftlicher Fussballfan. Auch wenn ich ohne Schal oder Trikot ins Stadion gehe, f\u00fchle ich mich nicht weniger eingebunden. Es ist nicht immer die Zugeh\u00f6rigkeit, die z\u00e4hlt, sondern die gemeinsame Leidenschaft f\u00fcr das Spiel, die alle im Stadion f\u00fcr einen Moment vereint.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1600\" height=\"900\" src=\"https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/bBild-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1654\" srcset=\"https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/bBild-2.jpg 1600w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/bBild-2-300x169.jpg 300w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/bBild-2-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/bBild-2-768x432.jpg 768w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/bBild-2-1536x864.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1600px) 100vw, 1600px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-base-color has-text-color has-link-color wp-elements-16 wp-block-paragraph\" style=\"margin-top:0;margin-bottom:0;font-style:normal;font-weight:300\"><em><em>Abbildung 2: Gewinn Meisterschaft Bild: F. Imfeld &nbsp;<\/em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-17 wp-block-paragraph\"><strong><strong><strong><strong>Fussball als moderner Ort f\u00fcr Identit\u00e4t und Zusammenhalt<\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-18 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">Bern ist eine multikulturelle Stadt, in der Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergr\u00fcnden, Religionen und Lebensweisen zusammenleben. Im Stadion verschwimmen diese Unterschiede. Dort interessieren Herkunft, Religion oder Weltanschauung pl\u00f6tzlich kaum noch. Was z\u00e4hlt, ist das gemeinsame Erlebnis, das Mitfiebern, das Singen, das Anfeuern. Ich finde es beeindruckend, wie Fussball R\u00e4ume schaffen kann, in denen Menschen verschiedenster Herkunft zusammenkommen. Auf den R\u00e4ngen sitzen oft Personen nebeneinander, die im Alltag vielleicht kaum Ber\u00fchrungspunkte h\u00e4tten. F\u00fcr viele entsteht im Stadion ein Gef\u00fchl von Zugeh\u00f6rigkeit, bei dem Herkunft, Beruf oder Glaube vor\u00fcbergehend in den Hintergrund treten. Nat\u00fcrlich ist dieses Bild nicht frei von Widerspr\u00fcchen. Gewalt, Rassismus oder fanatische Abgrenzung zwischen Fangruppen geh\u00f6ren ebenso zur Realit\u00e4t. Und doch bleibt das Stadion ein Ort, an dem zumindest f\u00fcr Momente das Gemeinsame \u00fcber das Trennende siegt, in der geteilten Emotion, im kollektiven Jubel, im Gef\u00fchl, Teil von etwas Gr\u00f6sserem zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-19 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">Das Stadion ist tief in Bern verankert. Selbst wer selten hingeht, kennt es. F\u00fcr die regelm\u00e4ssigen Besucherinnen und Besucher ist es ein vertrauter Ort. Man weiss, wo man sitzt, wann was passiert und wann was eingestimmt wird. Farben, Symbole und Erz\u00e4hlungen rund um YB pr\u00e4gen das kollektive Ged\u00e4chtnis und stiften Identit\u00e4t. Auch ich habe inzwischen Erinnerungen, die ich mit diesem Ort verbinde, sei es an die gewonnenen Cupfinals des FC Sion, bei denen ich nicht YB unterst\u00fctzte, oder an die magischen Champions-League-N\u00e4chte, in denen man gemeinsam f\u00fcr YB mitfiebert. Es sind meine pers\u00f6nlichen Kapitel einer gr\u00f6sseren Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-20 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">Wie in einer Kirche gibt es auch im Stadion eine klare Ordnung. Die Mannschaft steht im Mittelpunkt, das Publikum reagiert. Es gibt Abl\u00e4ufe, Regeln und Rituale. Der Schal ist mehr als ein Accessoire. Er ist ein Zeichen der Zugeh\u00f6rigkeit. Anders als in Kirchen, wo sich die Gl\u00e4ubigen meist nicht durch \u00e4ussere Zeichen erkennbar machen, wird die Verbundenheit im Stadion deutlich sichtbar getragen. Die Atmosph\u00e4re l\u00e4dt den Raum auf mit Emotionen, Erinnerungen und Bedeutung. So wird das Stadion zu einem besonderen Ort, der trotz seiner Weltlichkeit etwas Erhabenes ausstrahlt. Die Emotionen im Stadion sind meist unmittelbarer, lauter und k\u00f6rperlicher als jene in kirchlichen R\u00e4umen, wo oft Stille, Einkehr und Zur\u00fcckhaltung vorherrschen. Es ist ein Raum, in dem Emotionen, Geschichten und Gemeinschaft so intensiv erlebt werden, dass sie fast etwas Heiliges an sich haben. Dieses Heilige unterscheidet sich jedoch von der religi\u00f6sen Dimension in einer Kirche. Es ist nicht durch einen \u00fcberirdischen Glauben begr\u00fcndet, sondern entsteht aus gemeinschaftlicher Erfahrung und individueller Bedeutung. F\u00fcr viele Menschen ist das Wankdorf ein Ort, an dem sie sich als Teil von etwas Gr\u00f6sserem erleben. Vielleicht kein heiliger Ort im religi\u00f6sen Sinn, aber ein bedeutungsvoller Ort, der immer wieder aufgesucht wird, um gemeinsam etwas zu erleben. Ich glaube, dass sich viele nach genau solchen Erfahrungen sehnen, nach Wiederholung, nach Ritual und nach Gemeinschaft. Und im Stadion finden sie genau das.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/bBild-3-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1656\" style=\"width:1024px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/bBild-3-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/bBild-3-300x225.jpg 300w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/bBild-3-768x576.jpg 768w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/bBild-3-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/bBild-3.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-base-color has-text-color has-link-color wp-elements-21 wp-block-paragraph\" style=\"margin-top:0;margin-bottom:0;font-style:normal;font-weight:300\"><em><em>Abbildung 3: Choreo Liga Bild: F. Imfeld&nbsp;<\/em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-22 wp-block-paragraph\"><strong><strong><strong><strong><strong>Fazit: Fussball als s\u00e4kulares Ritual<\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-23 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">Fussball ist mehr als ein Spiel. Besonders in Bern wird das sp\u00fcrbar. Menschen aus unterschiedlichen Lebensbereichen kommen zusammen, singen, hoffen, jubeln und trauern. F\u00fcr die einen ist es Unterhaltung, f\u00fcr die anderen Ausdruck von Gemeinschaft. Die N\u00e4he zur Religion ist kein Zufall. Rituale, Symbole, gemeinsames Singen und kollektive Emotionen pr\u00e4gen beide Welten. In einer Stadt wie Bern, die sowohl religi\u00f6s vielf\u00e4ltig als auch stark s\u00e4kular gepr\u00e4gt ist, wird das Stadion f\u00fcr viele zu einem Ort der Begegnung. Menschen brauchen Rituale. Vielleicht brauchen wir solche R\u00e4ume heute besonders. Was im Stadion geschieht, erinnert oft an religi\u00f6se Erfahrungen. Fans singen gemeinsam, teilen Emotionen und erleben sich als Teil eines gr\u00f6sseren Ganzen. Doch diese Momente sind fl\u00fcchtig. Der Jubel vergeht, der Alltag kehrt zur\u00fcck. Hier zeigt sich ein wichtiger Unterschied zur Religion. Religi\u00f6se Rituale tragen oft weiter. Ein Gebet oder ein Segen kann \u00fcber den Moment hinaus Kraft geben. Im Fussball z\u00e4hlt am Schluss die Leistung. Im Gottesdienst z\u00e4hlt die Annahme. Gerade wer zweifelt oder scheitert, wird nicht ausgeschlossen, sondern gest\u00e4rkt. Vielleicht zeigt der Fussball, wonach sich viele sehnen. Nach einem Ort, an dem sie dazugeh\u00f6ren. Nach einer Gemeinschaft, die nicht nur verbindet, sondern auch tr\u00e4gt. Doch so sehr er ber\u00fchrt, die Tiefe und Weite einer Religion kann er nicht ersetzen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-24 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\"><em><strong>Zur Vertiefung&nbsp;<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color has-link-color has-small-font-size wp-elements-25 wp-block-paragraph\" style=\"margin-top:0;margin-bottom:0;font-style:normal;font-weight:300;text-decoration:underline\"><a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/fussball-fast-schon-eine-religion-gott-hat-seinen-fuss-im-100.html#:~:text=F%C3%BCr%2090%20Minuten%20spielen%20Hautfarbe,sein%20eigenes%20Lebendigkeitspotenzial%20entfalten%20kann.\">https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/fussball-fast-schon-eine-religion-gott-hat-seinen-fuss-im-100.html#:~:text=F%C3%BCr%2090%20Minuten%20spielen%20Hautfarbe,sein%20eigenes%20Lebendigkeitspotenzial%20entfalten%20kann.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color has-link-color has-small-font-size wp-elements-26 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300;text-decoration:underline\"><a href=\"https:\/\/www.kirche-und-leben.de\/artikel\/kirche-braucht-begeisterung-wie-im-fussball\">https:\/\/www.kirche-und-leben.de\/artikel\/kirche-braucht-begeisterung-wie-im-fussball<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color has-link-color has-small-font-size wp-elements-27 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300;text-decoration:underline\"><a href=\"https:\/\/repository.uwtsd.ac.uk\/id\/eprint\/386\/1\/RERC2-011-1-EYR.pdf\">https:\/\/repository.uwtsd.ac.uk\/id\/eprint\/386\/1\/RERC2-011-1-EYR.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color has-link-color has-small-font-size wp-elements-28 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300;text-decoration:underline\"><a href=\"https:\/\/tamarasfootballmosaic.wordpress.com\/2013\/10\/12\/football-as-a-ritual\/\">https:\/\/tamarasfootballmosaic.wordpress.com\/2013\/10\/12\/football-as-a-ritual\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-29 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\"><em><strong>Quellen<\/strong><br>BSC Young Boys. (o.\u202fJ.). Stadion Wankdorf. <em>BSC Young Boys<\/em>. Abgerufen am 18. Juni 2025, von <a href=\"https:\/\/www.bscyb.ch\/stadion-wankdorf\">https:\/\/www.bscyb.ch\/stadion-wankdorf<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-30 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\"><em>Durkheim, \u00c9. (2001). <em>The elementary forms of religious life<\/em> (J. Swain, Trans.). Oxford University Press. (Original work published 1912)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-31 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\"><em>Lower Block. (2024,\u202f5.\u202fM\u00e4rz). <em>Football culture, lifestyle &amp; fandom: Football culture is the heartbeat of the beautiful game<\/em>. Abgerufen am 18. Juni 2025 von <a href=\"https:\/\/lowerblock.com\/articles\/football-culture-the-heartbeat-of-the-beautiful-game\/\">https:\/\/lowerblock.com\/articles\/football-culture-the-heartbeat-of-the-beautiful-game\/<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-32 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">McKinnon, A. (2014). Elementary forms of the metaphorical life: Tropes at work in Durkheim\u2019s theory of the religious. <em>Journal of Classical Sociology, 14<\/em>(2), 203\u2013221. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/1468795X13494130\">https:\/\/doi.org\/10.1177\/1468795X13494130<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-33 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">Wikipedia. (2025, 12. Juni). <em>Ritual<\/em>. In <em>Wikipedia \u2013 Die freie Enzyklop\u00e4die<\/em>. Abgerufen am 24. Juni 2025, von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ritual\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ritual<\/a><\/p>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1640","page","type-page","status-publish","hentry"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.3 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>- interrel|blog<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/?page_id=1640\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"- interrel|blog\" \/>\n<meta property=\"og:url\" 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