{"id":1007,"date":"2024-08-12T11:49:23","date_gmt":"2024-08-12T09:49:23","guid":{"rendered":"https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/?page_id=1007"},"modified":"2024-08-12T12:14:49","modified_gmt":"2024-08-12T10:14:49","slug":"1007-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/?page_id=1007","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-cover alignfull is-light\" style=\"border-style:none;border-width:0px;margin-top:0;padding-top:2vw;padding-right:10vw;padding-bottom:2vw;padding-left:10vw;aspect-ratio:auto;\"><span aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-cover__background has-background-dim-100 has-background-dim\" style=\"background-color:#f3fffd\"><\/span><div class=\"wp-block-cover__inner-container is-layout-flow wp-block-cover-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading has-base-color has-text-color has-link-color wp-elements-1\" id=\"ecosystem\" style=\"font-size:10px\"><a href=\"https:\/\/interrelblog.wordpress.com\/2023\/06\/23\/buddhismus-in-der-schweiz-zu-besuch-imtraditionsubergreifenden-zentrum-fur-buddhismus-in-bern\/\">15. August 2024<\/a><\/h6>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#1b1b1b;font-size:6vw;font-style:normal;font-weight:700;line-height:1.1;text-decoration:none;text-transform:none\"><strong>Die evangelische T\u00e4ufergemeinde (ETG) in Bern<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color wp-block-paragraph\" style=\"color:#1b1b1b;font-size:6vw;font-style:normal;font-weight:200;line-height:0.9;text-decoration:none;text-transform:none\">Der Weg einer geschlossenen Gesellschaft zu einer offenen Freikirche<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-2 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\"><em>Seit 1903 steht im Mattenhofquartier das Versammlungshaus der Evangelischen T\u00e4ufergemeinde Bern. Die Freikirche geh\u00f6rt mit 19 Gemeinden zu den kleineren Freikirchen in der Schweiz. Im Kanton Bern gibt es zwei weitere ETG-Gemeinden, in Diessbach bei B\u00fcren und \u00abauf dem Giebel\u00bb ob B\u00e4rau im Emmental. In diesem Beitrag soll die Geschichte dieser Freikirche nachgezeichnet werden. Dabei steht die Frage im Zentrum, welche Aspekte das Entstehen und Weiterexistieren einer solchen Gemeinschaft n\u00f6tig sind.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-custom-farbe-1-color has-alpha-channel-opacity has-custom-farbe-1-background-color has-background is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-base-color has-text-color has-link-color has-small-font-size wp-elements-3 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:600\">Christoph M\u00e4rki<br>Theologie im 8. Semester, Bern<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-4\" style=\"margin-right:0;margin-left:0\"><strong><br><br>Altt\u00e4ufer und Neut\u00e4ufer &#8211; Alleinstellungsmerkmale <\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-5 wp-block-paragraph\" style=\"margin-right:0;margin-left:0;font-style:normal;font-weight:300\">Die Mitglieder der ETG werden auch als Neut\u00e4ufer und Neut\u00e4uferinnen bezeichnet im Gegensatz zu den Mennonitinnen, den Altt\u00e4ufern. Die Altt\u00e4ufer sind als \u00ablinker Fl\u00fcgel der Reformation\u00bb im 16. Jahrhundert in Z\u00fcrich entstanden. Die T\u00e4uferinnen waren der \u00dcberzeugung, dass nur diejenigen zur Kirche geh\u00f6ren sollten, welche sich bewusst f\u00fcr die Nachfolge Christi entschieden hatten und bereit waren, ein \u00abchristusgem\u00e4sses\u00bb Leben zu f\u00fchren. Deshalb traten sie f\u00fcr die Erwachsenentaufe ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-6 wp-block-paragraph\" style=\"margin-right:0;margin-left:0;font-style:normal;font-weight:300\">Die Neut\u00e4uferinnen dagegen sind im Zuge der Erweckungsbewegung in der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts in der Schweiz entstanden. Die Erweckungsbewegung war eine Reaktion auf rationale und bibelkritische Str\u00f6mungen in der akademischen Theologie. Diverse Freikirchen in Europa und der Schweiz gehen auf die Erweckungsbewegung zur\u00fcck, so die Baptisten, die Freie Evangelische Gemeinschaft und andere. Was jedoch die Neut\u00e4ufer von vielen den erw\u00e4hnten Freikirchen unterschied: Sie tauften nur Erwachsene und lehnten den Milit\u00e4rdienst ab.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-medium\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"261\" height=\"300\" src=\"https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/01_christoph-maerki-3-261x300.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1014\" srcset=\"https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/01_christoph-maerki-3-261x300.png 261w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/01_christoph-maerki-3.png 564w\" sizes=\"auto, (max-width: 261px) 100vw, 261px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-base-color has-text-color has-link-color wp-elements-7 wp-block-paragraph\" style=\"margin-top:0;margin-bottom:0;font-style:normal;font-weight:300\"><em>Abbildung 1: Samuel Heinrich Fr\u00f6hlich<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-8 wp-block-paragraph\"><strong>Samuel Heinrich Fr\u00f6hlich \u2013 Pionier und Gr\u00fcnder der ETG<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-9 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">Samuel Heinrich Fr\u00f6hlich wurde 1803 in Brugg geboren. 1820 bis 1825 studierte er Theologie in Z\u00fcrich und Basel. In Basel kam er mit der Erweckungsbewegung in Ber\u00fchrung. Sie l\u00f6ste in ihm eine Neuorientierung aus. 1827 wurde er ordiniert. In Leutwil konnte er als Pfarrer einen Kreis von \u00aberwecklichen\u00bb Christen und Christinnen um sich scharen. Als der Grosse Rat des Kantons Aargau den \u00abHeidelberger Katechismus\u00bb durch ein \u00abrationalistisch\u00bb gepr\u00e4gtes Unterweisungsbuch ersetzte, weigerte sich Fr\u00f6hlich, dies zu verwenden, worauf er seine Stelle verlor. Bereits in seiner Leutwiler Zeit erwachten in Fr\u00f6hlich Zweifel an der Richtigkeit der S\u00e4uglingstaufe. Als er im April 1831 erneut in Leutwil auftauchte und vor dreihundert Leuten predigte, wurde er verhaftet und ausgewiesen. Er kam in Kontakt mit dem R\u00e9veil, einer Erweckungsbewegung, die 1814 in Genf entstanden war und in die franz\u00f6sisch sprachige Schweiz und Frankreich ausstrahlte. \u00dcber den R\u00e9veil kam er auch in Kontakt mit der baptistischen \u00abContinental Gesellschaft\u00bb in London. Als deren Missionar begann er nun eine T\u00e4tigkeit als erwecklicher Reiseprediger.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-10 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">Zun\u00e4chst suchte er die Mennoniten und Mennonitinnen in Langnau auf. Es war sein Anliegen, in der Altt\u00e4ufergemeinde neues Leben anzufachen. Er predigte an verschiedenen Orten und seine Gottesdienste wurden rege besucht. Das erweckte den Argwohn der Beh\u00f6rden, und der Regierungsstatthalter verf\u00fcgte, dass er innert 24 Stunden das Amt Langnau zu verlassen habe. Vom Herbst 1832 bis zum Sommer 1833 weilte Fr\u00f6hlich in der Ostschweiz und in England. In seiner Abwesenheit blieb die Gemeinde von Leutwil mit den Altt\u00e4ufern in Langnau in Kontakt. Aufgrund des Einflusses von Fr\u00f6hlich und seinen Anh\u00e4ngern in Leutwil kam es in der Altt\u00e4ufergemeinde in Langnau zu Spannungen zwischen sogenannten Erneurerinnen und konservativen Kr\u00e4ften. Schliesslich trennten sie sich von den Konservativen und feierten nun ihre Gottesdienste auf dem Giebel bei B\u00e4rau im Emmental. Fr\u00f6hlich betrachtete sie als Gemeinde seines Gemeindeverbandes und besuchte sie ab 1836 mehrere Male.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-11 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">Ab 1833 war Fr\u00f6hlich als Gemeindegr\u00fcnder im Kanton Z\u00fcrich und in der Ostschweiz unterwegs. Seine engagierte missionarische T\u00e4tigkeit verbunden mit freikirchlichen Gemeindegr\u00fcndungen provozierte fast \u00fcberall den Widerstand der etablierten Kirchen. 1844 wurde der Gang ins Exil nach Strassburg unausweichlich. In den folgenden Jahren bis zu seinem Tod 1857 betreute er die Gemeinden in der Schweiz durch ausgedehnte Korrespondenzen und regelm\u00e4ssige Reisen in die Schweiz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-12 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">Wie es genau zur Gr\u00fcndung der Gemeinde in Bern kam, ist nicht bekannt. Als Fr\u00f6hlich im Juni auf dem \u00abBreiten Rain\u00bb bei Bern war, fand ein Gottesdienst mit ihm statt. Im August 1852, im Juli 1854 und im August 1856 bezeugen die Quellen einen Besuch Fr\u00f6hlichs bei der Gemeinde in Bern. Beim letzten Besuch predigte er in einem neuen Versammlungssaal, der 500 Pl\u00e4tze hatte und bei seinem Besuch \u00fcberf\u00fcllt war.<strong><br><br>Die Theologie Fr\u00f6hlichs \u2013 Verkn\u00fcpfung von reformatorischen Grundhaltungen und strenger Gemeindedisziplin<strong style=\"font-size: 1.1rem; font-family: var(--wp--preset--font-family--inter);\"> <\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-13 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">\u00abAllein die Schrift, allein Christus, allein durch Gnade, allein durch Glaube.\u00bb Die Eckpfeiler der reformatorischen Theologie waren f\u00fcr ihn die Grundlage. Er engagierte sich f\u00fcr ein erweckliches Christentum im Umfeld einer Volkskirche, die er als geistlich tot wahrnahm. Gleichzeitig k\u00e4mpfte er f\u00fcr mehr Liberalisierung in Bezug auf Kirche und Staat, das heisst f\u00fcr Glaubensfreiheit und Versammlungsfreiheit und auch f\u00fcr eine kirchenunabh\u00e4ngige zivile Trauung. Im Wesentlichen verstand sich Fr\u00f6hlich als T\u00e4ufer. Von den Anf\u00e4ngen an nannte Fr\u00f6hlich seine Erweckungskreise \u00abGemeinschaft der Taufgesinnten\u00bb. Schliesslich b\u00fcrgerte sich der Name \u00abGemeinschaft Evangelisch Taufgesinnter\u00bb ein, der bis in die 70-er Jahre des 20. Jahrhunderts gebr\u00e4uchlich war.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1920\" src=\"https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/01_ChristophMaerki_Bild1-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1013\" srcset=\"https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/01_ChristophMaerki_Bild1-scaled.jpg 2560w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/01_ChristophMaerki_Bild1-300x225.jpg 300w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/01_ChristophMaerki_Bild1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/01_ChristophMaerki_Bild1-768x576.jpg 768w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/01_ChristophMaerki_Bild1-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/01_ChristophMaerki_Bild1-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-base-color has-text-color has-link-color has-small-font-size wp-elements-14 wp-block-paragraph\" style=\"margin-top:0;margin-bottom:0;padding-top:0;padding-bottom:0;font-style:normal;font-weight:300\"><em>Abbildung 2: Das Geb\u00e4ude der ETG Bern im Mattenhofquartier<\/em> <em>(Foto: Christoph M\u00e4rki)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-15 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">Charakteristisch f\u00fcr ihn ist sein Taufverst\u00e4ndnis, das er 1847 in einer Schrift darlegte. Getauft sollen nur die werden, die Busse getan, sich bekehrt haben und glauben. F\u00fcr solche Menschen habe die Taufe eine Wirkung. Sie schafft die Ausrottung der S\u00fcnde und bewirkt die Wiedergeburt zu einem neuen Leben. Glaube ohne Taufe ist f\u00fcr ihn ebenso wertlos wie Taufe ohne Glaube. Auf den Getauften lastet ein grosser Erwartungsdruck, nicht mehr zu s\u00fcndigen. Immer mehr trat sein Anliegen hervor, eine reine Gemeinde zu schaffen und zu bewahren. Seinen Gemeinden auferlegte er eine rigide Gemeindedisziplin: Wenn ein Gemeindeglied durch seinen Lebenswandel Anstoss erregt, muss es ermahnt werden. Wenn es sich danach nicht \u00e4ndert, muss es f\u00fcr k\u00fcrzere oder l\u00e4ngere Zeit aus der Gemeinde und vom Abendmahl ausgeschlossen werden. Wenn auch dann keine \u00c4nderung eintritt, ist es f\u00fcr immer aus der Gemeinde auszuschliessen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-16 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">Die Sorge um die Schaffung der \u00abreinen\u00bb Gemeinde f\u00fchrte Fr\u00f6hlich in die Separation und Isolation. Nur durch Absonderung von allen andern schien es ihm m\u00f6glich, die reine Gemeinde zu sichern. Damit verankerte er in seinen Gemeinden eine starke Tendenz zum Perfektionismus, zur Gesetzlichkeit und zum Separatismus. Erst nach dem 2. Weltkrieg konnten sich die ETG- Gemeinden von diesem belastenden Erbe Fr\u00f6hlichs befreien.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-17\"><strong>Aufbruch nach dem 2. Weltkrieg \u2013 \u00d6ffnung und Ausbildung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-18 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">Bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts blieb auch der fortschrittliche Zweig der Taufgesinnten, der sich sp\u00e4ter ETG nannte, eine geschlossene Gemeinschaft. Es bestanden kaum Kontakte zu anderen Freikirchen und christlichen Werken. Eine theologische Ausbildung der sogenannten Lehrbr\u00fcder und \u00c4ltesten gab es nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-19 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">Die Hilfeleistungen nach dem 2. Weltkrieg l\u00f6sten aber die starren Fronten auf. Bereits 1946 wurden mit den Mennoniten zusammen Hilfstransporte ins Elsass und nach Deutschland organisiert. Ebenfalls arbeiteten Altt\u00e4ufer und Neut\u00e4ufer zusammen, als f\u00fcr Gefl\u00fcchtete aus Osteuropa eine Siedlung bei Salzburg gebaut wurde. Im Jahre 1949 wurden erstmals Ferienwochen f\u00fcr Jugendliche im Sommer organisiert. Nachdem diese Jugendlager jedes Jahr an verschiedenen Orten stattfanden, konnte 1961 in Wilderswil eine eigene Heimst\u00e4tte gekauft werden. Wichtige Anst\u00f6sse zur \u00d6ffnung der Gemeinden gingen von diesen Jugendlagern aus. In den Nachkriegsjahren nahmen einzelne Gemeindeglieder zu verschiedenen evangelikalen Missionswerken und Bibelschulen Kontakt auf. Von da her floss neues Gedankengut in die angestammten Gemeinden. Von Anfang an gab es nur \u00abLaien\u00bb, welche predigten und die Gemeinde leiteten. Vollzeitlich Mitarbeitende wurden nicht angestellt. Auch das \u00e4nderte sich ab den F\u00fcnfzigerjahren. Laienprediger wurden geschult und fest angestellte Mitarbeiterinnen mussten \u00fcber eine theologische Grundausbildung verf\u00fcgen. Das urspr\u00fcnglich mennonitische Seminar auf dem Bienenberg entwickelte sich zu einem wichtigen Ort der Begegnung der beiden t\u00e4uferischen Gruppen. Heute haben Altt\u00e4ufer und Neut\u00e4ufer auf dem Bienenberg ihre gemeinsame Ausbildungsst\u00e4tte. 1990 schlossen sich die ETG-Gemeinden dem \u00abVerband evangelischer Freikirchen und Gemeinschaften\u00bb an. 1994 trat die ETG-Gemeinde Mattenhof der Schweizerischen Evangelischen Allianz bei. Schon seit 1909 betreiben sie zudem ein Altersheim, welches heute unmittelbar neben dem Gemeindelokal gelegen ist.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1920\" height=\"2560\" src=\"https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/01_ChristophMaerki_Bild2-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1016\" srcset=\"https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/01_ChristophMaerki_Bild2-scaled.jpg 1920w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/01_ChristophMaerki_Bild2-225x300.jpg 225w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/01_ChristophMaerki_Bild2-768x1024.jpg 768w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/01_ChristophMaerki_Bild2-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/interrelblog.unibe.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/01_ChristophMaerki_Bild2-1536x2048.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-base-color has-text-color has-link-color wp-elements-20 wp-block-paragraph\" style=\"margin-top:0;margin-bottom:0;font-style:normal;font-weight:300\"><em>Abbildung 3: Das Alterszentrum Mattenhof geh\u00f6rt zur ETG Bern (Foto: Christoph M\u00e4rki)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-21 wp-block-paragraph\"><strong>Wichtigkeit von seri\u00f6ser theologischer Arbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-22 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">Die schweizerischen ETG-Gemeinden haben seit den Anf\u00e4ngen mit Fr\u00f6hlich bis heute einen langen Weg zur\u00fcckgelegt: von einer geschlossenen Gesellschaft zu einer aktiven, offenen evangelischen Freikirche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-23 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\">Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass im Falle der ETG Bern diverse Aspekte eine Rolle gespielt haben, die zur Gr\u00fcndung und zum Weiterbestehen der Gemeinde gef\u00fchrt haben. Am Anfang stand erstens die Unzufriedenheit mit der bibelkritischen Str\u00f6mung in der Theologie und der theologischen \u00dcberzeugung, dass die Taufe f\u00fcr Kleinkinder theologisch nicht zu rechtfertigen sei. Bei der ETG war es zweitens die Initiative und das Charisma des Pfarrers Samuel Heinrich Fr\u00f6hlich, das zur Entstehung entscheidend beigetragen hat. Drittens konnte gezeigt werden, dass auch Alleinstellungsmerkmale wie z.B. die Wehrdienstverweigerung, die verbotene Kleinkindertaufe oder das Einhalten rigider Regeln dazu f\u00fchren, dass eine Kirche Profil gewinnt \u2013 auch wenn das negative Konsequenzen haben kann. Viertens scheint aber vor allem das soziale Engagement, die \u00d6ffnung und Lockerung der Gemeinderegeln und die Bedeutungszunahme der Ausbildung in Leitungspositionen der ETG geholfen zu haben, dass es diese Gemeinde immer noch gibt. Die anhaltende Reflexion und Diskussion \u00fcber theologische Positionen und deren praktischen Umsetzungen scheinen deshalb auch in Zukunft unerl\u00e4sslich zu sein.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-24 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\"><em><strong>Zur Vertiefung&nbsp;<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color has-link-color has-small-font-size wp-elements-25 wp-block-paragraph\" style=\"margin-top:0;margin-bottom:0;font-style:normal;font-weight:300;text-decoration:underline\"><a href=\"https:\/\/etg-bern.ch\/sites\/etg-bern.ch\/files\/public\/datei\/leben_und_werk_von_samuel_heinrich_froehlich_1803-1857.pdf\">Geschichtstafel \u00abLeben und Werk von Samuel Heinrich Fr\u00f6hlich\u00bb<\/a><em> <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color has-link-color has-small-font-size wp-elements-26 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300;text-decoration:underline\"><a href=\"https:\/\/etg-bern.ch\/sites\/etg-bern.ch\/files\/public\/datei\/die_evangelische_taeufergemeinde_in_bern_1831-2007.pdf\">Geschichtstafel \u00abDie Geschichte der Evangelischen T\u00e4ufergemeinde in Bern von der Gr\u00fcndung bis heute\u00bb<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-27 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\"><em><strong>Literatur\u00a0<\/strong><br>Dellsperger, R. &amp; Lavater, H.R. Die Wahrheit ist unt\u00f6dlich. Berner T\u00e4ufer in Geschichte und Gegenwart. Bern 2007.<em style=\"font-size: 1.1rem; font-family: var(--wp--preset--font-family--inter);\"> <\/em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-28 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\"><em>Garfield, A. Die Tauf- und Kirchenfrage in Leben und Lehre des Samuel Heinrich Fr\u00f6hlich: Gr\u00fcnder der Gemeinschaft Evangelisch-Taufgesinnter. Bern 1976.<em style=\"font-size: 1.1rem; font-family: var(--wp--preset--font-family--inter);\"> <\/em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-29 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\"><em>Ott, B. Missionarische Gemeinden werden. Der Weg der Evangelischen T\u00e4ufergemeinden. Uster 1996.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-small-font-size wp-elements-30 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\"><strong><em>Bildquelle Abbildung 1:<\/em><\/strong>\u00a0ETG Bern (https:\/\/etg-bern.ch\/geschichte) <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-base-color has-text-color has-link-color has-small-font-size wp-elements-31 wp-block-paragraph\" style=\"font-style:normal;font-weight:300\"><\/p>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1007","page","type-page","status-publish","hentry"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.3 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>- interrel|blog<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, 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